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"Er hatte sich zuende gelebt, war ausexistiert."
"Wir sehen, wenn wir Menschen anschauen, nur Verstümmelte, sagte Glen einmal zu uns, außen oder innen oder innen und außen verstümmelt, es gibt keine andern, dachte ich. Je länger wir einen Menschen anschauen, desto verstümmelter erscheint er uns, weil er so verstümmelt ist, wie wir nicht wahrhaben wollen, wie es aber der Fall ist. Die Welt ist voller Verstümmelter. Wir gehen auf die Straße und treffen nur Verstümmelte. Wir laden uns einen Menschen ein und haben einen Verstümmelten im Haus, so Glen, dachte ich."
Thomas Bernhard. Der Untergeher.
Entwesung von Gebrauchsgegenständen
André Müller: Bei unserem ersten Interview haben sie gesagt, man solle allen Müttern die Ohren abschneiden.
Thomas Bernhard: Das habe ich gesagt, weil es ein Irrtum ist, wenn die Leute glauben, sie bringen Kinder zur Welt. Das ist ja ganz billig. Die kriegen ja Erwachsene, keine Kinder. Die gebären einen schwitzenden, scheußlichen, bauchtragenden Gastwirt oder Massenmörder, den tragen sie aus, keine Kinder. Da sagen die Leute, sie kriegen ein Bauxerl, aber in Wirklichkeit kriegen sie einen achtzigjährigen Menschen, dem das Wasser überall herausrinnt, der stinkt und blind ist und hinkt und sich vor Gicht nicht mehr rühren kann, den bringen sie auf die Welt. Aber den sehen sie nicht, damit die Natur sich weiter durchsetzt und der Scheißdreck immer weitergeht.
Als Lektüre... ähhh..., zwischen den Jahren, möchte ich das folgende sehr gerne empfehlen:
zur heiligen Einstimmung und seelischen Erbauung
und sollte man Gefahr laufen, gute Laune zu bekommen und dabei auch noch heiter zu werden, Anregungen, wie man es besser machen kann
und seien sie im Falle eines Falles gründlich, sonst könnte es ihnen so ergehen.
Wir haben uns nicht geschont und bis zur letzten Minuten diskutiert. Schlimme neue Begriffe gelernt, manchmal im Schlaf leise geweint.
Wir gratulieren....
Sieger
Constantin
Der Siegertext als Podcast
Der Siegertext zum Nachlesen und Träumen
Es war einer dieser typisch verdammten Regentage in Frankfurt und mein Schwanz pochte bereits beim Aufstehen wie die wilde Pauke in Wagners Tannhäuser. Ich steckte mir „Eine“ ins Gesicht und war alles andere als wach. Ein Termin bei der Physiotherapie zwang mich, zu dieser unchristlichen Stunde aufzustehen. Was konnte ein gottverdammter Tag wie dieser nur Gutes bringen? Nach den üblichen Salti wie Kaffee, Rasur, ein frisches Hemd und Anzug stiefelte ich zur Bushaltestelle und stieg in die Linie 3.
Bald stand ich vor der Empfangsdame in „Harrer Physio“.
Die Kleine sah etwas überrascht auf und fragte, ob ich mich im Termin geirrt habe...
2. Platz
Herr Sebas
Spermaregen auf dem Weg nach Wanne-Eickel
Ich war ein einsamer Mann, als ich in den Zug nach Wanne-Eickel stieg. Christina hatte mich zwei Jahre zuvor verlassen. Erst war ich zu sehr mit der Trennung, dann zu sehr mit meiner Arbeit als Vertreter für Küchengeschirr beschäftigt, um mein Beziehungsleben auf Trab zu bringen. Selbst im Bett war tote Hose, seit sie ging.
Auf die Reise nach Wanne-Eickel hatte ich an diesem Tag so gar keine Lust. Ich hatte drei Termine in Haushaltswarengeschäften, die mich schon in den Jahren zuvor abblitzen ließen. Aber es musste sein...
3.Platz
Franz Hasler
Kultureller Austausch
Es war der heisseste Tag seit Langem. Unter meinem Cowboyhut schwitzte ich wie ein Cowboy, der zu Fuß seiner Rinderherde nach Texas hinterherlaufen muss. In Niederbayern gab es zwar auch reichlich Rindviecher, aber es gab keine ernsthafte Aufgabe für einen Typen wie mich. Ich saß gelangweilt auf einem Klappstuhl und die Cola war schon wieder viel zu warm. Urlaub auf dem Bauernhof, das klingt toll, aber leider war es für mich kein Urlaub, sondern nur elender Alltag auf dem Hof meiner Eltern, als „Juniorchef“, wie mein Vater das so schön umschrieb. 20 Jahre alt und in der elenden Provinz verloren, so nannte ich das. Ich war es leid, den Handlanger zu spielen, irgendwelchen Touristen zu erklären, wo bei so einem Pferd vorne und hinten ist oder jedes Mal gefragt zu werden, wie Jodeln funktioniert...
Liebe Freunde, Weggefährten, Sonstige,
es ist wieder an der Zeit, ihre Aufmerksamkeit hierauf zu lenken:
Essenzeit im Hause G. Friedlich versammeln sich alle Familienmitglieder um den großen Tisch. Der Mann will heute nichts essen, weil er jetzt in ein Alter kommt, wo er ansetzt, sagt er. Kind I und Kind II stehen mit großen Augen an meiner Seite, eine rechts, eine links und streicheln meine Hände. Kind II: „Du, Mama..... kann ich heute Abend ein Töstchen essen?“ „Erst gibt es aber ein richtiges Brot.“ „Ja Mama, ein halbes“, „Nein, ein ganzes“, „Also gut... mit Nutella?“ ich bin wie immer nicht bei der Sache und nicke. Auftritt der Mann: „Ne, ne, also jetzt muss es ja nicht auch noch Nutella geben ..., Kind II: “Papa, du mischst dich da jetzt nicht ein.“ Kind I „Genau.“
Kind II: „Kann ich noch was von deinem Teller schnabulieren?“ ich nicke erschöpft „und könntest du mir jetzt bitte ein Töstchen...!?“ Der Mann: „Ich glaube ich könnte jetzt auch noch ein Töstchen...“ ich interveniere, selbstredend gilt auch für ihn die Vollkornbrot Regelung Kind I schubst mich freundlich von der Seite und schmiert mir eine Schicht Nutella über den Pullover: „Ach Mama, da können wir doch heute einmal eine Ausnahme machen.“ Der Mann ermahnt alle, sich ordentlich an den Tisch zu setzen, immerhin hat er heute gesaugt, Kind I und Kind II lachen ihn aus und essen weiter Töstchen und mein Abendessen.
Es folgt der allabendliche Kampf um Körperpflege und Zahnhygiene. Kind II möchte getragen werden, Kind II will sich die Zahnpasta nicht selbständig auf der Zahnbürste applizieren, Kind II will auf den Schoß, dann lieber doch auf die Waschmaschine, die Haare sollen nicht gebürstet werden, die Haare sollen nicht mit der harten Bürste gebürstet werden, die Haare müssen wenigstens fest gehalten werden, auf keinen Fall kämme während des Zähneputzens und bei der Oma ist sowieso alles besser 8Zeit, sich eine Hasenmaske aufzusetzen). Kind I schimpft einfach so „...jaja, Mama, jetzt schimpfst du gleich wieder, ich weiß schon was du gleich sagen wirst, wenn ihr nicht lieb seid, dann lese ich nicht, schimpf ruhig Mama, macht mir üüüüberhaupt gar nix...“. „In der Tat, jede weitere Verzögerung wird von der Gute-Nacht-Geschichte abgezogen.“ „...ich weiß sowieso schon wie’s ausgeht.“ (erzählt uns wie die Geschichte endet, im Verlauf der Handlung wird ein Mann zu Stein). Kind II (sichtlich sauer): „So, du blöde Kuh, jetzt wirst du gleich zu Stein weil du alles verraten hast und das ist mir dann ganz igal.“ „Das sieht jetzt schon richtig schlecht für euch aus, mittlerweile dürfte nach der Überschrift schluss sein...“ Kind II, eine Freundin radikaler Lösung baut sich vor mir auf (das Kind ist soooo winzig klein, und die böse verschränkten Ellbogen sehr spitz, sie rollt die Augen bedrohlich, so dass man die immer noch rotgeschwollene Bindehaut samt dunkelblauen Fädchen sehen kann, soviel ist klar, was jetzt kommt, kann nicht schön sein...): „Ist mir gaaanz igal, wenn du nicht liest, gaaanz igal, dann schlafe ich eben nicht, ist mir igal, wenn ich morgen müde bin und dann pinkel ich morgen Mittag wieder ins Bett, ist mir doch igal (ich werfe ein, dass ich dann morgen Mittag nicht wieder das Bett mit ihr teilen werde, immerhin hat sie mir heute über den Fuß gepinkelt), ist ihr aber auch igal.
Am ende trennen wir uns friedlich, der treue Johannes hat alles gut überstanden und die Kinderlein, denen man die Köpfe abgeschlagen hatte sind auch wieder wohl auf... tschüß ihr Hexen, Füchse, Mäuse und Katzen und Hasen und Schnecken...
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