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früh am tag, es muss gegen acht gewesen sein, verließ mich die kinderbetreuung für morgen. es gibt für solche spontanen ausfälle 1 - 1,5 notlösungen, die leichterhand aus dem ärmel gezaubert werden können (in diesem zusammenhang sollte nicht unerwähnt bleiben, dass seit zwei tagen fortgesetzte und damit zunehmende schmerzen in meinem rechten unterarm mich in kürze bewegungsunfähig machen werden, was symptomatisch gesehen eine schmerzverlagerung von unten nach oben bedeutet, wir schauen mal, was sonst noch kommt). das angebot meine seele für eine liebevolle betreuung mitzuverkaufen wurde ausgeschlagen, man war, keiner weiß warum, bereit für weniger zu helfen. umschichtiger einsatzplan wurde ausgearbeitet und an alle beteiligten verschickt. es kann fast nichts schief gehen, was mich heute nacht beruhigt in einen zug wird einsteigen lassen und auch morgen mit heiterer gelassenheit erfüllen wird (es ist zusätzlich zum arm, dieses lustige gefühl, der magen würde sich von innen nach außen und dabei von unten nach oben stülpen). erfüllt von gerührter dankbarkeit schneide ich löcher in sachen, die keine löcher benötigen.
wenn man viel weg ist, entwickelt sich an erstaunlichen stellen bei einem selbst nie geahntes sozialverhalten. zum beispiel gestern. kind II versprochen es von der schule abzuholen. gesagt getan. kind II empfing mich freudig und trabte mit einer mittelkleinen gruppe gesinnungsgenossinnen gen bushaltestelle. im laufe des lautstark geführten gespräches, kam man auf mich zu sprechen (kind I ist auf dieses thema gar nicht gut zu sprechen, insbesondere mein haar ist ihr mehr als ein dorn im auge, aber das wäre eine andere geschichte).
kind (name vergessen) zu kind II: deine mama sieht aber noch jung aus.
kind II (mit latent aggressivem unterton): ist sie aber gar nicht.
kind zu mir: wie alt bist du denn?
ich: sehr alt.
kind II: stimmt!
heute wurde mir die bedeutung des begriffes "enervierend" schmerzlich vor augen geführt. mein sitznachbar, nennen wir ihn aus gründen der vereinfachung "die dumme sau", stank nicht nur sondern kaute auch, nein knackte gleichsam seine fingernägel. liebevoll, detailverliebt und der eine oder andere weiß vielleicht, wieviele finger eine dumme sau so haben kann. es sind nicht wenige. nachzählen wollte ich nicht, das wäre einem anstarren gleichgekommen und wer will das schon. während er dies tat, telefonierte er. laut. die dumme sau. der zug war zeitlich nicht ganz im plan (kind I und kind II erwarteten mich pünktlich zum vorlesen). die stimmung schwankte, dann kippte sie so sehr, dass ich bereits ein ziehen in der nierengegend verspüren konnte. die dumme sau verließ mich in hannover, was auf eine art ein glück gewesen sein könnte.
laminat, wer denkt sich so etwas aus. plastik-parkett-imitat, die holzdecke des 21 jhd. sieht immer billig aus und ist immer dreckig. wer laminat liebt soll auch nicht schlecht über linoleum-böden sprechen. wie etwas deratiges allergiker-freundlich sein soll, wird sich mir heute nicht mehr erschließen. putzen jedenfalls war so sinnlos wie unheiter. für ein abendessen müsste die wohnung verlassen werden. die hürde ist zu hoch, dann gibt es wasser und wasser.
nur wer sich schon einmal graue filzpantoffeln mit elchapplikationen erwarb kann den kummer nachvollziehen, als gestern die sonnenbrille infolge eines rahmenbruches für immer von mir ging.
das drumherum um die neuen fenster ist so, dass es auch von mir gemacht sein könnte, was einer halbguten bewertung der geleisteten arbeit gleichkommt.
ansonsten heute intensive kommunikation mit dem über-ich.
der mitbewohner muss jetzt sachen erledigen und kind II abholen. die festerrahmen sind drin, leider sind teile der wand raus. auf mich, als laie, wirkt es, als ob sie das nicht sein sollten. habe die türen hinter mir geschlossen. was ich nicht sehen kann, ist auch nicht da.
sie sind da. die handwerker. die fensteraustauschhölle hat begonnen. die abdeckung der möbel besteht aus stofflümpchen. insgesamt ist meine atmung aber ruhig und kontrolliert. der mitbewohner kocht tee, um einer fortschreitenden infektion die in mir stattfindet entgegenzuwirken. das ziel ist es, mindestens 4 liter flüssigkeit in mich hineinzubekommen.
wenn man auf eine art so wäre, man gönnte den nachbarn den lärm.
nach einer möglichen phase der selbstverstümmelung kann man nahtlos in eine phase der selbstauflösung übergehen. wenn die seltenen verletzungen bei der beinrasur nicht ausreichen, bieten die drogeriemärkte land auf land ab zahlreiche möglichkeiten zur physischen reduktion. zum beispiel hühneraugenpflaster. kleine klebchen die versprechen von unschönen bis schmerzenden stellen, vorzugsweise am fuß, aber man weiß ja nie, zu befreien. die frage ist nur, woher weiß das ding, was böse ist und weg muss und was zum halbguten gehört und besser dableiben soll. die anleitung verspricht punktgenaue applikation, aber weiß das ding das auch? die spannung steigt mit jedem morgen, wenn das pflaster gewechselt sein will. ist da noch zeh oder erwartet einen der blanke knochen, oder wird dieser gleichsam mit aufgelöst. werden ärzte dereinst lose schlackernde fetzen, einem druckgeschwür gleich, entfernen müssen und dabei bedenklich und auch verächtlich mit den klugen köpfen wippen? hätte man es besser wissen müssen. wird ein „hinterher ist man immer schlauer“ noch helfen und andere kleinteile retten oder frist sich das ganze, einmal losgelassen, durch einfach alles?