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28. Februar 2008

Tiere, keine Kinder

Das Ende der Welt

Montag, 25.02.2008

Woher man weiß, dass man das Ende der Welt erreicht hat? Man weiß es. Genauso wie Frauen wissen, dass sie Wehen haben und nicht nur Bauchschmerzen, auch wenn es das erste Mal ist. Es gibt Momenten, da kann man sich nicht vertun. Instinkte die trotz jahrtausende langer Domestizierung, Degeneration und an antrainierter Zivilisation nicht versagen und im richtigen Moment funktionieren.
Man weiß es, wenn man in nahezu absoluter Finsternis im Schlamm liegt, über einem ein unendlicher Sternenhimmel, der Sturm sich brüllend über einen wirft und man ein Licht sucht. Genauso wie man im Übrigen weiß, dass man früher oder später im Schlamm ausrutschen wird. Es ist die heitere Gewissheit vom Ewigen "das wird nicht gut gehen".
Wenn man sich fragt, was wenn zwischen dem Ende der Welt und mir kein Haus mehr steht, dann ist man angekommen.

Vor uns liegt das Meer. Hinter uns Hügel und ein Weg, der langsam vom Regen weg gewaschen wird. Die Erinnerung wie wir es bis hier her geschafft haben, verblast zusammen mit dem Pfad, der jetzt schon keiner mehr ist. Eine Rückkehr scheint aussichtslos.
Am Morgen war das Haus von langhaarigen Schafen mit rosa Punkten im Fell umzingelt. Jetzt sind auch die Tiere weggezogen. Manchmal am Horizont ein Seevogel, der sich vom Sturm weg tragen lässt.

Ich habe unsere Vorräte ausgebreitet und rationiert. In dieser Situation werden wir es riskieren müssen, dass abgekochte Leitungswasser zu trinken. Die Lebensmittel werden beim achtsamen Umgang noch bis zum Ende der Woche reichen. Wir werden versuchen ein Fischernetz zu knüpfen und auf fette Beute hoffen. Vielleicht kommen auch die Schafe zurück und wir können eines davon erlegen und über dem offenen Feuer braten. Hier könnte uns auch das Fell gute Dienste leisten.

Wir haben Brennholz für mehrere Wochen, aber keine Späne, um das Anzünden des Feuers zu erleichtern. Habe bisher keine Axt gefunden. Wenn die Tage lang werden, kann man aber sicher auch mit einem gewöhnlichen Küchenmesser einiges erreichen. Ich habe mich, einem natürlichen Instinkt folgend, des Feuers angenommen. Wir haben noch einen kleinen Vorrat an Anzündern, der wird aber in wenigen Tagen aufgebraucht sein. Auch Papier ist leider wenig im Haus. Habe damit begonnen, einige Hochglanzmagazine auseinander zu nehmen. Leider keine Tageszeitungen. Tageszeitungen brennen besser. Falls wir hier heraus komme,n werde ich die Welt wissen lassen, dass man nie ohne Tageszeitung im Gepäck in die Nähe des Endes der Welt ziehen sollte. An so etwas denkt man im Vorfeld nicht und genau an derartigen Kleinigkeiten ist der Mensch schon immer gescheitert. In welchem Überlebenshandbuch haben Sie schon einmal den Satz gefunden: "Bitte denken Sie daran ausreichen Tageszeitungen mit sich zu führen"?
Muss eine Axt suchen.

Sehe dem Feuer beim Brennen zu.

Ein gut gepflegtes Feuer brennt irgendwann fast von alleine.

Das Holz ist feucht.

Sorgsames Nachlegen eines neuen Scheites.

Bei einer Springflut in unsere Richtung spränge das Haus mit. Kein Weg, kein Haus, es wäre, als hätte es uns nie gegeben.

Trinke die zweite Tasse löslichen Kaffee, der eigentlich ein Espresso ist. Ich werde ihn vermissen wenn er leer ist. Wie lange erinnert man sich an den Geschmack der letzten Tasse Kaffee, die eigentlich Espresso mit einem kleinen Schuss halbfett Milch ist?

Nenne mich selbst die Hüterin des Feuers. Spreche es leise vor mich hin um zu hören wie es klingt. Wie lange erinnert man sich an den Klang einer Stimme? Vergessen kann auch eine Gnade sein.

Ich erinnere mich, dass der junge Mann an der Supermaktkasse gelacht und einem noch jüngeren Kollegen gestern Blicke zuwarf, als wir ihm erzählten, wohin wir unterwegs seien. Es ist wie so oft ein Deuten der Zeichen, wenn es zu spät ist. Die Übergabe der Schlüssel und einer handgemalten Karte erfolgte beim letzten Restlicht des Tages.
Dann waren wir auf uns alleine gestellt. Hatten wir es wirklich so gewollt?
Das Navigationsgerät, wie schon seit Stunden, sicher zwischen meine Oberschenkel geklemmt, weil die Halterung nicht funktionierte, ließen wir die Zivilisation hinter uns und schlossen alle Gatter sorgfältig, die noch zwischen uns und dem Ende lagen. Wir hörte die Stimme wohl die uns, verzweifelt scheinbar, zurief: "Wenn möglich bitte wenden", aber Pläne benötigen eine gewissen Konsequenz und wir sind nicht die Ersten die einen Weg bis zum Ende gehen. Ich sage an dieser Stelle nur Scott und Amundsen und ich glaube wir verstehen uns. Wir verwiesen das Navigationsgerät "Neverlost" in seine Schranken und setzen ein Zeichen, wer hier genau bestimmt wo es lang geht. Sein Schweigen war ohrenbetäubend und sein Licht schien nur noch flackernd auf die Karte, die eigentlich keine war.

Vor dem Kaffee und den Vorräten werden die Anti-Falten-Cremes zur Neige gehen. Ich weine leise und kämpfe die aufsteigende Panik mit dem Tragen mehrerer Kilo Holzscheite, wenigstens für kurze Zeit, nieder. Ich fege zum ca. 20 mal am heutigen Morgen den Küchen- und Wohnbereich.
Der Blackberry brummt beruhigend vor sich hin. Es gibt noch irgendwo Leben da draußen.



Dienstag 26.02.2008

Das Ende ist nicht näher aber auch nicht weiter weg

Weiterhin Wind und Regen vom Meer brüllend gegen das Haus. Wir brüllen mit, es hört nur keiner.

Habe mich gestern auf den Weg gemacht um die Strassenverhältnisse zu überprüfen. Strasse war nie, jetzt ist aber auch kein weg mehr. ich gebe uns 100 Meter. Höchstens. Dann werden wir in einem Tümpel stecken bleiben.

Bis zum nächsten Haus ist es eine Meile Fußweg. Im Dunkeln besehen, machte das ganze einen wenig einladenden Eindruck. Der heruntergekommene Caravan auf dem hauseigenen Schrottplatz der Farm wird sicher im Sommer wieder flott gemacht um junge bis mittelalte Touristinnen darin die Schönheiten des Landes zu zeigen. Ich trage die Verantwortung dafür, dass wir am Abend nichts mehr zu Essen haben werden. Von der Zivilisation vollständig degeneriert, war ich davon ausgegangen, dass das Haus zum Erwerb von Lebensmitteln oder der Einnahme warmer Mahlzeiten verlassen werden könnte. Ein Irrtum der folgen haben wird.

Das Feuer brennt wieder. Es wird aber von Tag zu Tag schwerer, dem Nassen Holz eine Flamme zu entlocken. Ich werde nachts nicht mehr schlafen, um Scheite nachlegen zu können.

Am nachmittag erster Versuch, sich der Zivilisation zu nähern. Unbewohnten Behausungen und nervösen Pferden in Mäntel hinter uns gelassen. Nach Sonnenuntergang Abbruch der Mission. Erreichen unserer Unterkunft beim letzten Restlicht des Tages.


Mittwoch, 27.02.2008

Vorräte sind am Ende. Werden ein Schaf fangen.

Feuer brennt. Rieche wie eine Grillwurst. Könnte sich noch beim Fangen eines Schafes als hinderlich erweisen.


Donnerstag, 28.02.2008

Was tut man nicht alles für eine warme Mahlzeit.

Warum wollen semi-erwachsene Menschen wie Kleinkinder behandelt werden? Man möchte sie solange mit vagen Hoffnung schütteln, es möge ein wenig Verstand herausfallen oder doch wenigstens kurzzeitig nach oben verlagert werden.
Wenn ich Tagesdecke zu mir nehmen würde, mir könnte gar nicht schlechter sein. Setze mich jetzt zum Fluchen in den Schrank.

#| FrauJulie on 28. Februar 2008, 23:02 | 5 Comments (1296) | | 0 TB | bericht zur lage



20. Februar 2008

von hier an taub

sensibilitätsstörungen im linken fuß wandern. allerdings nicht weg oder von hier nach da. die bewegung ist um sich greifend und zunehmend unangenehm. vielleicht sollte man etwas tun.

#| FrauJulie on 20. Februar 2008, 22:02 | 5 Comments (1201) | | 0 TB | histologie



überblick

kind I trägt jetzt auch brille. vielleicht heilen dadurch die seit monaten von gerstenkörnern befallenen augen. vielleicht aber auch nicht.

kind I ruft selten an, wenn aber gut vorbereitet und mit kleinen aufgaben für mich z.b. spontan und flüssig die 14er reihe aufzusagen.

viel aufregung, viel abschied, viel nicht schlafen können.

kind II möchte ein duzent haustiere und der nachbar erweitert sein repertoire nicht.

es sollte immer berlinale sein. immer im dunkeln, realitätsflucht und wenig sprechen. dazu chemisch verändertes mineralwasser als nahrungsmittel ersatz.

körperpflege. beim zähneputzen lesen sorgt für optimale mundhygiene.

#| FrauJulie on 20. Februar 2008, 06:02 | 2 Comments (1150) | | 0 TB | histologie



19. Februar 2008

.

nachdenken über gewaltfreie kommunikation und ob das helfen würde.

#| FrauJulie on 19. Februar 2008, 21:02 | 0 Comments (1077) | | 0 TB | bekenntnisse



lesen

es gibt bücher, die einen derart verägern, dass sie nur aus diesem grund nicht weggelegt werden können. mit jeder weiteren seite wird das grauen grauslicher. die protagonisten sind von einer unsäglichen blödheit, dass der zorn sich derart steigert, dass man schreien möchte, hör doch auf du blöde kuh.

#| FrauJulie on 19. Februar 2008, 21:02 | 7 Comments (1179) | | 0 TB | aphten und rhagaden



im dunkeln

in meinem gästezimmer halte ich mich nur auf, solange es draußen dunkel ist. die beleuchtung wähle ich verhalten bis auch fast dunkel. so muss ich meinen gastpflanzen nicht allzu sehr beim vertrocknen zu sehen. ausserdem sehe ich den dreck und mich im spiegel nur undeutlich bis gar nicht. den spiegel könnte ich alternativ auch zusätzlich verhängen.

gestern ein reizendes video über eine operation am offenen, schlagenden herzen gesehen. das herz war star verfettet und so konnte man lange nicht wirklich viel erkennen. dann wurde es aber doch ein wenig blutig, um das aufgeklappte fett. das herz zappelte munter und so gehe ich davon aus, dass für den patienten alles gut ausging.

jetzt ein wenig ratlos. mir wäre nach essen, habe aber nicht eingekauft. werde jetzt wohl ein wenig wasser in eine plastikflasche abfüllen und mich damit zur ruhe begeben.


#| FrauJulie on 19. Februar 2008, 21:02 | 1 Comments (1051) | | 0 TB | bericht zur lage



02. Februar 2008

drüben

der nachbar kann tatsächlich nur ein lied. der text besteht im wesentlichen aus einer aneinanderreihung der lauter "mei-o-mei", die er aber mit sehr viel emphase vorträgt (er wird richtig laut dabei und ohne ihn jemals tatsächlich gesehen zu haben, weiß ich wie er dabei sein gesicht leicht angestrengt verzerrt). möglicherweise handelt es sich um eine volkloristische weise aus dem süden deutschlands. dazu spielt er verhalten gitarre. vielleicht könnte ihm einmal jemand sagen, dass er, wenn er damit frauen bezircen möchte, es durchaus etwas textlastiger und auch abwechslungsreicher sein darf.

#| FrauJulie on 02. Februar 2008, 14:02 | 5 Comments (1303) | | 0 TB | aphten und rhagaden



.

auch samstage funktionieren über das "müssen".

ein finanzielles konzept am rande der legalität: der verkauf von liegezeiten in grabstätten.
da hätte man mal selber drauf kommen müssen.

#| FrauJulie on 02. Februar 2008, 08:02 | 1 Comments (1095) | | 0 TB | bericht zur lage