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heimurlaub ist auch nicht mehr das was er einmal war. schon die fahrt richtung osten ließ für die kommenden tage nichts gutes ahnen. ein fieser alter mann, noch fieser als alt, biologisch an der grenze des absolut unmöglichen, spielte entweder an seinen geschlechtsteilen herum, was aufgrund der enormen leibesfülle kein leichtes unterfangen für ihn gewesen sein muss, oder hustete schleim ab. will sagen, er versuchte schleim o.ä. abzuhusten. ca. alle fünf minuten. vier stunden lang.
in berlin aufarbeitung der wochengeschichte von kind I. kind I beim augenarzt. kind I ist, wie kind II ziemlich blind auf beiden augen. vielleicht wird die brille helfen, die entzündeten augen von kind I zu heilen, vielleicht aber auch nicht. kind I mit brillenverordnung. dank des kostspieligen geschmacks von kind I, der nicht vollumfänglich meinen ästhetischen ansprüchen entspricht, super-titan-spezial-gestell ausgewählt. nerven liegen blank bei kind I, kind II und dem mitbewohner. soll aber wohl nie so sein, wenn ich nicht da bin. wie gut (und ich rechne in kürze mit dankbarkeitsgeschenken), dass ich immer weg bin.
zitat des tages aus dem höchst empfehlenswerten buch "der jadereiter" von john burdett:
"außerdem wird die zerstörung der westlichen gesellschaft aus dem innern heraus so weit fortgeschritten sein, dass der größte teil der energien sich darauf konzentrieren muss, wahsinnige in schach zu halten. es wird fernsehbilder von menschen geben, die aus den supermärkten fliehen, die hände gegen den kopf gepresst, weil sie die banalität nicht mehr ertragen."
damenkinnbart
mein nachbar, der traurige sänger, für diese wurst fallen mir einige schöne fluchwörter ein. nicht genug, dass er durch sein eigenes geplärre, ein arbeiten am schreibtisch unmöglich macht. kommt der sack doch tatsächlich auf die idee, morgens um vier, in seiner küche, die von meinem bett nur durch eine papierdünne wand getrennt ist, das radio mal so richtig aufzudrehen. mein ohnehin äußerst fragiler nachtschlaf war damit schockartig beendet. instinktiv rief ich ihm zu er solle den dreck (wortwahl leicht verändert) sofort abdrehen. die einzige möglichkeit innerhalb vieler tage einmal länger als halb sechs zu schlafen wurde damit zunichte gemacht. beim nächsten mal werde ich aufstehen und klingeln. dann können wir uns endlich einmal persönlich kennenlernen.
es werden die vermeindlich kleinen dinge sein, die uns umbringen. genau dann, wenn wir nicht damit rechnen. gerade von des tages mühen in mein bescheidenes, aber trockenes zimmer gekommen. laufen gewesen, staub gesaugt, bett frisch gemacht. gedacht: jetzt aber mal. nix jetzt aber mal. kein internet. gut, dass ich nur nachts zu panik neige und nicht, wenn es ernst wird (gelogen, verfüge aber über ein ausgefeiltes und jahrelang erprobtes system von vermeidungsstrategien). erst mal schaun, was der router so macht. wo genau finde ich den hier in der wohnung!? router sah sehr finster aus. kein knopf das zu ändern. aber wer bin ich, dass mir nicht auch noch einfällt in fremden zimmern nach steckerleisten zu suchen und diese wieder anzumachen. in finsteren ecken gewesen, wo schon sehr lange keiner mehr war.
vermisse den singenden nachbarn. jetzt wäre genau der richtige zeitpunkt für eine hymne mit akustikgitarrenbegleitung.
tasche gepackt. nachbar singt dazu. seit stunden das gleiche lied. mit gitarre.
heute nacht von casu marzu geträumt...
immer, jeden abend, ohne ausnahme, lässt sich mein nachbar ein bad ein, wenn ich ins bett gehen möchte. er ist auch durch unterschiedliche zeiten nicht zu täuschen. dann, aber nicht nur dann, singt er. der mann hört eigentlich gar nicht auf zu singen. ich vermute, er trainiert für ein popstars-casting. in der badewanne wird der gesang durch planschgeräusche unterstützt. dafür verzichtet er auf die gitarre, die sonst immer an ihm zu hängen scheint. lautes husten, gegengesang, fluchen, gewaltverherrlichende filme können ihn auf seinem weg zum superstar nicht aufhalten. ich hoffe, die nehmen ihn und stecken ihn sehr lange ins band-haus.
tatsächlich sollte man sich immer gut überlegen, ob man nach 18.00 uhr noch ans telefon gehen muss, vom öffnen der wohungstür ganz abgesehen. nur ein ganz besonders mitleidiges herz veranlasste mich vor einigen minuten die türe doch noch einmal zu entriegeln. davor ein verwirrter blutjunger mann, die mütze mit ohrenklappen tief in die stirn übers lockige haar gezogen. ihm sei gar nicht gut und er müsse noch sushi machen, wahrscheinlich würde er in kürze krank und ich würde ihm sehr helfen, wenn ich ihm eine kopfschmerztablette leihen könne. der anblick war auf eine art so schrecklich, wenn ich den jetzt hier stehen lasse, der bricht mir im treppenhaus zusammen. dachte es und sprach: komm mit. sushi-messer schien er nicht gleich mitgebracht zu haben, wer würde mich wann finden, wenn ich zerhackt werden würde!? je nun, mit reichlich schmerztabletten wieder auf den heimweg geschickt. ob das mit dem essen heuet noch was wird... ich weiß es nicht.
"Er hatte sich zuende gelebt, war ausexistiert."
"Wir sehen, wenn wir Menschen anschauen, nur Verstümmelte, sagte Glen einmal zu uns, außen oder innen oder innen und außen verstümmelt, es gibt keine andern, dachte ich. Je länger wir einen Menschen anschauen, desto verstümmelter erscheint er uns, weil er so verstümmelt ist, wie wir nicht wahrhaben wollen, wie es aber der Fall ist. Die Welt ist voller Verstümmelter. Wir gehen auf die Straße und treffen nur Verstümmelte. Wir laden uns einen Menschen ein und haben einen Verstümmelten im Haus, so Glen, dachte ich."
Thomas Bernhard. Der Untergeher.
in einem anflug von ich-erkenne-mich-nicht-wieder-und-tue-es-trotzdem" entschlossen heute abend maria schrader und sebastian koch bei was auch immer zuzusehen. ich glaube, die beiden sind sehr traurig. kann mich aber auch irren. (am spätnachmittag ging mir endlich ein selbstkritisches licht auf; die wollten mir keine laufschuhe verkaufen, weil sie mich nicht würdig und wert fanden ihre guten schuhe an meinen füßen zu wissen, schuhe vor die säue quasi). die idee war halb gut. mein rechter unterkiefer schwillt mittlerweile zu doppelter dicke an. angst und stressbeißen. einseitig. ahhh ja, natürlich, er (sebastian k.) hat sich zum schluss noch einmal gekämt, artig bei der geliebten bedankt (endlich kann er über alles sprechen) und steigt jetzt doch zu ihr (maria sch.) ins auto. "hast du noch platz für mich?". schrader heult schon wieder. ich meine mich erinnern zu können, dazu irgendwo eine positive besprechung gelesen zu habe, der ich aber aber und ich betone das, von anfang an keinen glauben geschenkt habe.
jetzt gleich "hengstparade 2007 in neustadt" auf dem rbb.
gerade heute war ich in der richtigen stimmung, die mich mir zurufen ließ: julie, heute packst du mal die kreditkarte ein und gönnst dir was richtig feines. ein paar neue laufschuhe. die hatte ich mir schon vor einigen wochen versprochen, jetzt sollten den worten taten folgen.
laufläden sind eine fortgesetzte demütigung. ich war gut eingestellt und top motiviert. die laufgeschichte des verkäufers kenne ich auswendig. alle rekorde, alle siege. nein, der blaue fleck an meinem fuß ist keine druckstelle aufgrund übermäßger körperlicher ertüchtigung, sondern schlichte blödheit. ich habe versucht schnee vom stiefel zu treten und den fuß daneben gehauen. mehrfach. lustig. nein, ich komme nicht gut auf laufbändern zurecht. natürlich demonstriere ich das auch gerne. meine füße knicken nach innen weg. darauf hatte ich hingewiesen. ja, sie knicken immer noch. komisch, auch beim laufen. ja, was da rasselt ist der schleim in meiner lunge. ich bin krank. es tut mir leid.
ende vom lied: kein passender schuh für mich im sortiment. aber eins a lauf-socken trage ich jetzt an meinen kaputten füßen.
Freunde und Liebhaber von Winter und Schnee. Wir werden uns nie verstehen.